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"Unterwegs" mit Sandra Pinto
Sandra machte sich auf den Portugiesischen Jakobsweg, als sie wieder Orientierung und Leichtigkeit in ihrem Leben finden musste. Mit wenigen Mitteln und viel Mut erlebte sie eine prägende Zeit voller Herausforderungen, von schmerzhaften Blasen an den Füßen bis hin zu langen Tagen, an denen sie über sich hinauswachsen musste. Aber auch auf dem Weg traf sie unvergessliche Menschen und entdeckte die Stärke von Bindungen, wie die zu ihrer Schwester, neu.
Ein Weg voller Lehren, Einfachheit und Dankbarkeit, der sie bis heute inspiriert.

1. Warum hast du dich entschieden, den Jakobsweg zu gehen? Wie viel Zeit verging zwischen der Entscheidung und dem Aufbruch?
Ich habe mich dazu entschieden, auf Initiative von Freunden, die ihn schon gemacht hatten. Zwischen der Entscheidung und dem Aufbruch verging ungefähr ein Jahr.
2. Como surgiu a decisão de fazer o Caminho pela primeira vez?
O primeiro caminho que fiz, foi em 2016. Não me recordo bem como surgiu essa iniciativa, uma vez que não conhecia ninguém que o tivesse feito! Tinha regressado há pouco tempo de viver uns meses na Suíça e estava desempregada, encontrava-me numa relação que não estava saudável. Lembro que tomei a decisão de fazer o caminho em março, no aniversário da minha irmã, e em maio fomos as duas!
3. Welchen Weg hast du gewählt?
Den Zentralweg
4. Wie viele Tage hast du gebraucht?
9 Tage
5. Welche Etappen bist du gegangen?
Porto- Baião
Baiao- Barcelos
Barcelos- Ponte Lima
Ponte de Lima - Rubiaes
Rubiaes-Porrinho
Porrinho - Ponte de Vedra
Ponte de Vedra - Caldas de Rei
Caldas de rei - Teo
Teo-Santiago

6. Wie hast du dich körperlich auf den Weg vorbereitet?
Ich habe mich nicht vorbereitet – ich bin schon gewandert und gelaufen.
7. Gab es einen prägenden oder symbolischen Moment in deiner Vorbereitung auf den Weg?
Ich erinnere mich, dass ich die Etappen und die Kilometer gesucht habe, die wir auf jeder davon zurücklegen würden. Wir hatten keine spezielle Ausrüstung für den Weg. Wir hatten uns Rucksäcke geliehen, die viel zu groß für uns waren 😅 (Heute weiß ich, wie wichtig das Volumen eines Rucksacks ist, ich vergleiche es mit unserem Leben… Nur das Nötigste tragen, so wie wir das Nötigste im Leben mit uns tragen).
8. Alleine oder in Begleitung? Wenn Sie in Begleitung waren, mit wem?
Ich ging mit meiner Schwester
9. Was war der schwierigste Moment für dich?
Der zweite Tag, ich hatte viele Blasen und keine passenden Schuhe dabei. Außerdem hatte ich einen zu großen Rucksack mit viel zu vielen unnötigen Sachen!
10. Erinnerst du dich an einen Moment, in dem du aufgeben wolltest? Wie hast du dieses Gefühl überwunden?
Auf der Etappe nach Ponte de Lima… Die Schmerzen in den Füßen waren unerträglich. Ich habe mehrmals ans Aufgeben gedacht, aber die Stärke meiner Schwester und die Unterstützung der Pilger haben mir geholfen, weiterzumachen. Dieses Schild, das anzeigte, dass noch 1 km fehlte, schien endlos.
11. Was hat dich auf dem Weg am meisten überrascht?
Den Mann meines Lebens zu finden! Und die Leute, die ich unterwegs getroffen habe, die Schönheit und Harmonie, die man auf dem Weg findet! Die Schönheit, die Stille, der Frieden, das Teilen!! Der ganze Weg ist eine Inspiration und eine Lehre!
12. Was war die beste Mahlzeit auf dem Weg?
Wurstbrot

13. Wen hast du auf dem Weg kennengelernt, den du nie vergessen wirst?
Den Mann meines Lebens und einen deutschen Freund, Alex, der mir bei den Blasen geholfen und mich motiviert hat, nicht aufzugeben!
14. Hast du auf dem Weg Freundschaften geschlossen oder Menschen getroffen, die dich besonders beeindruckt haben? Wie war das?
Alex, der drei Tage mit uns gewandert ist. Er war ein wahrer Engel und hat uns bei unseren Blasen an den Füßen geholfen. Später haben wir eine Gruppe Portugiesinnen kennengelernt: Rita, Susana und Joana. Bis heute halten wir Kontakt und treffen uns immer noch.
15. Was darf im Rucksack eines Pilgers nicht fehlen?
Compeed Anti-Blasen-Stick
16. Welcher Gegenstand oder welches Item war während des Weges am nützlichsten (oder nutzlosesten)?
Wir hatten zu viel Kleidung, zu viele Sachen und zu viel Essen dabei 😅 Wir trugen alte Turnschuhe, was ehrlich gesagt die größten Schwierigkeiten verursachte! Später kauften wir uns neue Turnschuhe. Ob Sie es glauben oder nicht, aber das war das beste Gefühl überhaupt!
17. Wenn du Leuten, die überlegen, den Weg zu gehen, nur einen Tipp geben könntest, welcher wäre das?
Geh einfach, geh einfach los.
18. Gab es einen Ort oder eine Bühne, die Sie besonders bewegt oder überrascht hat?
Die Etappe zwischen Barcelos und Ponte de Lima war trotz der Schmerzen magisch. Die Dörfer, die Landschaften und die Ankunft auf der Brücke waren spannende und unvergessliche Momente. Diese Etappe hat etwas Magisches an sich.

19. Was war deine Reaktion, als du in Santiago ankamst?
Überwältigung! Und pure Freude.
20. Was war die größte Lektion, die du während der Wanderung gelernt hast?
Nur das Nötigste mitnehmen, genau wie im Leben. Die Zuneigung und der Respekt unter den Pilgern sind von so seltener Schönheit. Es war eine wahre Lektion in Einfachheit und Dankbarkeit.
21. Wenn du einen Moment vom Jakobsweg noch einmal erleben könntest, welcher wäre das und warum?
Der Kauf der neuen Turnschuhe. Das war wie ein Geschenk, von dem wir immer geträumt haben. Auch die gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche in den Herbergen waren etwas Besonderes.
22. Hat sich die Beziehung zu den Menschen um dich herum nach dem Jakobsweg verändert? Wie?
Meine Schwester und ich sind während des Weges sehr zusammengewachsen. Trotz der Diskussionen und Schwierigkeiten haben wir Erinnerungen geschaffen, die uns noch nähergebracht haben. Unsere Bindung ist stärker geworden.
23. Welche lustige Geschichte oder Episode ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Die Improvisation mit Brottüten, um die Rucksäcke vor dem Regen zu schützen, war unvergesslich. Wir sahen aus wie die geniale Schildkröte aus Dragon Ball! Und der Streit wegen einer Regenjacke… Heute lachen wir so sehr über diese Kleinigkeiten!
24. Gibt es ein Lied, das deinen Weg geprägt hat und das wir unserer Playlist hinzufügen können?
Ich habe keine Musik gehört, ich habe gesungen! Bohemian Rhapsody




