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"Unterwegs" mit Mónica.
Mónica lässt sich nicht lumpen und wenn sie zu einem Mittagessen (oder einem Jakobsweg) eingeladen wird, sagt sie sofort zu. Zwischen Blasen an den Füßen, etwas ramponierten Nägeln und der Müdigkeit des Anfangs hat unsere Wanderin alle Herausforderungen gemeistert, die der tausendjährige Weg zu bieten hat, und uns als Menschen wachsen lassen. Komm und lerne dieses Abenteuer von Viana do Castelo bis zur Hauptstadt Galiziens kennen, immer am Meer entlang.

Warum bist du den Jakobsweg gegangen?
Mónica: Ich bin mit meinen Schwägern mitgegangen. Sie sind Zahnärzte und brachen zu einem Freiwilligendienst nach São Tomé auf. Und bevor sie dieses dreimonatige Abenteuer und danach ein Jahr Weltreise starteten, wollten sie die Reise richtig beginnen und den Weg gehen. Bei einem Familienessen haben sie uns eingeladen und ich dachte: Why not?
Welche Etappen bist du gegangen?
Mónica: Ich bin den Portugiesischen Küstenweg gegangen. Gestartet bin ich in Viana do Castelo.
Wie hast du dich körperlich auf den Weg vorbereitet?
Mónica: Ich bin einmal 10 km gelaufen. Das halte ich nicht für körperliche Vorbereitung. Aber ich habe mich mehr damit beschäftigt, wie man Blasen vermeidet, mögliche Schmerzen aufgrund meiner alten Verletzungen, welches Schuhwerk am besten geeignet ist... Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die den Weg gegangen sind, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein.
Was hat dich auf dem Weg am meisten überrascht?
Mónica: Ich bin an unglaublichen Orten gewandert, aber das, was mich am meisten überrascht hat, geschah in mir drin. Mit jedem Schritt war ich überrascht, wie der Weg mich berührte, eroberte und lehrte.
Hattest du viele Blasen an den Füßen, oder hast du sie gar nicht bemerkt?
Mónica: Ich glaube, ich hatte drei Blasen zwischen den Zehen. Aber ich hab sie nicht gespürt. Das waren so nette, die nicht geplatzt sind und einfach mit mir weitergewandert sind, ohne mir wehzutun. Andererseits bin ich mit zwei schwarzen Zehennägeln zurückgekommen. Ich hab Schuhe eine Nummer größer gekauft, wie man mir gesagt hatte, aber ich glaube, irgendwie hat meine Art zu gehen den Nägeln geschadet. Trotzdem hab ich auch sie nicht als verletzt empfunden.
Was war der schwierigste Moment?
Mónica: Ich hatte drei besonders schwierige und deshalb prägende Momente.
Der erste Moment war am zweiten Wandertag. Da fing ich an, mich körperlich und mental müde zu fühlen. Wir waren am ersten Tag schon viel gelaufen, und kurz vor dem Ende des zweiten Tages fühlte ich mich unfähig. Ich bereute es, dort zu sein. War gereizt. Dachte, ich würde den Weg nicht schaffen. Ich ging schweigend, und die Tränen liefen mir über die Wangen. Als ich im Hostel ankam, brach ich in Schluchzen und Tränen aus. „Wie soll ich das bloß schaffen?“. Die Nacht verbrachte ich damit, über den Jakobsweg zu lesen. Ich versuchte, mehr über seine Geschichte zu erfahren. Ich versuchte, etwas Motivierendes zu lesen. Ich suchte nach einem Grund. Aber ich fand keinen.
Am nächsten Tag entdeckte ich jedoch, obwohl ich Angst vor einer weiteren Etappe hatte, dass ich stärker war, als ich dachte. Und von Etappe zu Etappe wurde ich stärker. Ich erinnere mich, dass ich sagte: „Der Weg wurde nicht einfacher. Ich wurde stärker.“ Und so war es. Und jeden Tag lehrt mich der Weg etwas. Jeden Tag sah ich etwas aus meinem Leben auf dem Weg widergespiegelt und lernte daraus. Ich begann, das Wandern zu mögen.
Inzwischen kam der zweite schwierige Moment, zwei Tage vor der Ankunft in Santiago. Im Gespräch mit meinen Schwägern sprachen wir über meine Familie. Und ich erinnere mich plötzlich, dass mein Vater vor 7 Jahren in diesem Monat gestorben war. Ich schickte meiner Schwester eine Nachricht, während ich ging: „An welchem Tag ist Papa gestorben?“. Und sie nannte mir den Tag. Ich entdeckte, dass der Tag, an dem mein Vater starb, der Tag war, an dem ich in Santiago ankam. Ich entdeckte meinen Sinn. Ich teile mit euch etwas, das ich über diesen Tag geschrieben habe:
„Ich hoffe jetzt, dass meine Anstrengung seiner Seele Ruhe bringt. Ich hatte immer das Gefühl, dass er das noch nicht hatte. Wenn er dort ankommt, wird er wissen, dass ich stark bin und er sich keine Sorgen machen muss. Möge all die Energie rund um die Wanderung ihn befreien. Es sind noch 2 Tage bis zum Ende und jetzt weiß ich, für wen ich gehe, koste es, was es wolle. Möge mir deine Kraft niemals fehlen.“
Der letzte schwierigste Moment war der letzte Tag. Ich bin nicht religiös, aber ich bin zur Kathedrale von Santiago de Compostela gegangen. Ich bin hineingegangen und habe mich hingesetzt, um mit meinem Vater zu sprechen. Ich habe angefangen zu weinen, aber ich habe mich danach leichter gefühlt.
Ich spüre, dass der Weg mich gerufen hat, und bin dankbar, dass ich ihm gefolgt bin.

Wenn du den Weg mit jemand Berühmtem gehen könntest, wer wäre das?
Mónica: Ich glaube, niemand. Der Weg ist etwas sehr Persönliches, und ich mache ihn lieber mit meinen Liebsten. Aber ich würde sicher viele Politiker auf den Weg schicken. Vielleicht kommen sie dann erleuchteter zurück.
Als Freelancerin, konntest du “abschalten“ und den Weg ohne Arbeitsablenkungen gehen?
Mónica: Ja, komplett. Ich habe das Glück, tolle Kunden zu haben, die wussten, dass ich den Weg mache und diesen Moment sehr respektierten. Ich habe immer darauf geachtet zu arbeiten, aber ich hatte das Gefühl, dass sie mich absichtlich weniger “genervt“ haben.
Wenn du den Leuten, die darüber nachdenken, den Weg zu gehen, nur einen Tipp geben könntest, welcher wäre das?
Mónica: Vertraue darauf. Der Weg weiß, was er tut.
Wie fühlt es sich an, in Santiago anzukommen?
Mónica: Sehr gut! Ich war sehr dankbar. Aber ehrlich gesagt, das Beste am Weg ist für mich der Weg selbst, nicht die Ankunft. Ich muss gestehen, ich vermisse es jetzt schon!



